Ich und Ben ist kein Entwicklungsroman. Denn einerseits verweigert er sich der Form des Romans, indem er wie eine Sammlung von Short-Stories daherkommt und andererseits ist es den Protagonisten aus verschiedenen Gründen nicht gegeben, auf der Leiter des Lebens nach oben zu kommen.

„Ich“ ist der Erzähler und „Ben“ ist sein Sohn. In streng chronologischer Reihenfolge (insofern orientiert sich das Buch durchaus an der traditionellen Erzählungsweise) werden aus dem Leben der beiden Episoden herausgepickt – von der Geburt des Sohnes bis kurz vor dessen 21. Geburtstag.

Eine treffende Zusammenfassung hat Gabriele Weingartner geschrieben:

Vater- und Sohngeschichten sind nicht selten – im Fernsehen wie in der Literatur – vom Zuckerguss der politischen Korrektheit übergossen und gehen meist gut aus. Von (…) „Ich und Ben“ kann man dies nicht behaupten. Aber auch das Gegenteil wäre nicht richtig, denn die Beziehung zwischen Frank (Vater) und Ben (Sohn) scheint nicht übel, selbst wenn man nie weiß, wer eigentlich wen erzieht. (…) Das schlechte Ende leuchtet deutlich in der Ferne. Und trotzdem erspart es der Autor seinen Lesern, bzw. überlässt es ihnen, die Geschichte fort- oder zu Ende zu führen. Vielleicht auf der Basis von dem Quäntchen Komik und Humor, das immer wieder durch die heilige Nüchternheit schimmert, die sich Dury verordnet hat. Vor allem seine präzise, geradezu gläserne Sprache ist es denn auch, die einen nicht loslässt und aus diesem lakonischen Anti-Entwickungsroman eine gestochen scharfe existentialistische Parabel macht. Da stört keine aufgesetzte Ironie, kein pseudoproletarischer Realismus, kein Manierismus. Da taumeln nur zwei durchs Leben, die sich nicht helfen können. Der Vater ist gescheitert, der Sohn wird scheitern. So sieht es aus. Mitleid ist nicht angebracht.

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Ich und Ben
Roman, Conte-Verlag
Saarbrücken, 2012

Dury erzählt ökonomisch und knapp in einer wunderbar herben Sprache in dreizehn Kapiteln die Geschichte von Vater und Sohn; ein Antierziehungsroman, der dennoch der Roman einer Vaterliebe ist, auch wenn dieser Frank einfach nur durch sein Leben driftet, das ihm zufällig geschieht und das er nimmt wie sein Kind, das er annimmt, ohne ihm Halt geben zu können, in seinem von Zufallsjobs, Bier und Zigaretten geprägten Vorhandensein. Sein Sohn Ben wird an einer Schwelle weitermachen, die sein Vater nicht überschritten hat. Ein lakonisch und glaubhaft erzählter Roman.

Christine Hoba

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