Meine erste Geschichte überhaupt habe ich ungefähr im Winter geschrieben. In Berlin. In der Soldiner Straße. In einem Haus, das einer enttarnten rumänischen Agentin gehörte, die stets eine Bommelmütze auf dem Haupt trug.

Nun gut, es war Winter, da macht das so mancher. Aber sie setzte die Mütze auch nicht ab, wenn sie die Wohnung betrat. Meine Wohnung. Vielleicht hatte sie etwas zu verbergen. Vielleicht wuchsen ihr Rosinen auf dem Kopf oder Bärlauch. Wer weiß.

Sie war genauso arm wie wir. Und in diesem Fall ist mit wir die kleine Schar ihrer Mieter gemeint. Türken, Studenten, Stricher, Dealer. Das besondere an dem Haus war, dass es kein Wasser gab. Ich meine, natürlich gab es Wasser. Zum Beispiel, wenn es regnete, oder der Schnee, wenn er schmolz, der machte keinen Bogen um unser Haus herum. Warum auch? Aber in den Wasserleitungen war kein Wasser, in den Toiletten, die sich auf den Zwischenetagen befanden, nicht und in den Küchen auch nicht.

Deshalb kam die Frau auch hin und wieder um uns zu beschwichtigen. Und jedesmal trug sie diese Bommelmütze und die Bommel taumelte hin und her und vor und zurück, wie ein Gnadengesuch. Einmal drohte ich ihr mit einer Mietkürzung und da schenkte sie mir eine Schachtel Zigaretten, in der noch 11 Stück drin waren.

Lesen Sie hier meine erste Geschichte…

…Zufällige Berührung (als ePub)
…Zufällige Berührung (als HTML)

Dieser Band enthält aber nicht nur meine allererste Geschichte, sondern auch die Geschichte, für die ich meinen allerersten Preis bekommen habe. Stellen Sie sich vor: einen Preis! Den Georg-K-Glaser Preis! Ist das nicht wunderbar? 10.000 Mark! Das Jahresgehalt eines Proleten für eine einzige Geschichte!

Lesen Sie hier Grünmann, das metropolitanische Subjekt…

Grünmann… (als ePub)
Grünmann… (als HTML)

…als ich in die Stadt kam
14 Erzählungen
Plöger-Verlag, Annweiler, 1999
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(…) harmlose Wünsche (werden) plötzlich zu schrankenlosen Leidenschaften, Liebe mutiert zur Naturgewalt, und die Sehnsucht nach Zuneigung wächst sich aus zum brutal ins Werk gesetzten Egoismus. Andreas Dury beschreibt in einer genauen, vermeintlich realistischen Sprache, deren rauschhafte, synästhetische Ausbrüche ihr typischstes Kennzeichen ist, einen brüchig werdenden deutschen Alltag, der zusehends irreale Züge gewinnt. Den Leser entläßt der Autor niemals aus der Spannung, ja, er macht aus seinen Geschichten existentielle Krimis, die nicht zuletzt die Sinnfrage menschlichen Daseins stellen.

Gabriele Weingartner

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